ARCHIV-August 01




Wir begrüßen Sie auf den Seiten "Aktuelles".

Aufgeregtheit läßt ein konstruktives Gestalten des Alltags nicht zu. Aus Philosophensicht bedarf es dazu u.a. immer wieder der Entwicklung und Pflege von Denkmustern, die neue Möglichkeiten öffnen. Die folgenden Informationen könnten dafür von Nutzen sein.

Unsere Themen:

Termine August 2001 |
Steueränderungsgesetz | Kreditbenotung |
Euro|

Verdeckte Gewinnausschüttung |
Private Altersvorsorge | Kontakt ...


Zuerst die Termine August 2001 [nach oben]
Bitte beachten Sie die folgenden Termine, zu denen die Steuern fällig werden:

Steuerart
Fälligkeit
Ende der Schonfrist bei Zahlung durch
Überweisung 1 Scheck/bar
Lohnsteuer, Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag 2 10.08.2001 15.08.2001³ 15.08.2001 3 4
Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag2 10.08.2001 15.08.2001³ keine Schonfrist
Umsatzsteuer 5 10.08.2001 15.08.2001³ 15.08.2001 3 4
Gewerbesteuer 15.08.2001³ 20.08.2001³ keine Schonfrist
Grundsteuer 15.08.2001³ 20.08.2001³ keine Schonfrist

1 Um die Frist zu wahren, sollte die Überweisung einige Tage vorher in die Wege geleitet werden.
2 Für den abgelaufenen Monat.
3 In Bundesländern, in denen der 15. ein Feiertag (Mariä Himmelfahrt) ist, gilt statt
dem 15. der 16. August und statt dem 20. der 21. August 2001.
4 Wenn gleichzeitig mit der Abgabe der Anmeldung gezahlt wird.
5 Für den abgelaufenen Monat; bei Dauerfristverlängerung für den vorletzten Monat, bei
Vierteljahreszahlern ohne Fristverlängerung für das abgelaufene Kalendervierteljahr.


Entwurf eines Gesetzes zur Änderung steuerlichen Vorschriften [nach oben]

Die Wachstumszahlen werden weiter nach unten korrigiert. Nur Optimisten verbreiten die Auffassung, daß es zum Ende des Jahres besser werden könnte. Die Steuerreform- aktivitäten der Regierung zeigen Stillstand an, so daß hiervon keine Impulse ausgehen, das Gegenteil wird eher der Fall sein, wenn ein Blick in die Zielsetzung des Entwurfes des Gesetzes zur Änderung steuerlicher Vorschriften 2001 geworfen wird, was so gewaltig daherkommt.

Im Entwurf des Gesetzes werden folgende Ziele genannt:
· Bereinigung steuerlicher Vorschriften
· Anpassung des Steuerrechts an höchstrichterliche Rechtsprechung sowie des Rechts der europäischen Union
· Vereinfachung
· Umstellung auf den Euro.

Der Finanzminister hat zum 23. Deutschen Steuerberatertag vom 30.10. bis 01.11.2000 in Berlin in seinen Festvortrag u a. erklärt, daß es in 2001/ 2 keine weitere Steuersenkung gibt. Daran wurde sich gehalten, wie man sieht, obwohl eine weitere Senkung der Tarife dringend nötig ist. Auch die vorgenommene "Bereinigung steuerlicher Vorschriften bzw. Vereinfachung" ist eine oberflächliche Kosmetik, die weit entfernt ist von einer Vereinfachung des Steuersystems.

Eine Vereinfachung ist nach Auffassung des Gesetzgebers zum Beispiel die Aufhebung der Sperrfrist von 6 Jahren entsprechend § 19 a EStG bei Überlassung von Vermögensbeteiligungen für Arbeitnehmer und deshalb aufgehoben. Letztlich wurde der hiermit verbundene unerhörte Verwaltungsaufwand erkannt. Gleiches trifft für den § 4 Abs.4 a EStG zu, der ersatzlos gestrichen werden soll. Die Vorschrift beinhaltet, wann Schuldzinsen nicht abziehbar sind. Die Vorschrift erwies sich als nicht praktikabel und ungeeignet, um einen Mißbrauch auszuschließen. Beispiele dieser Art könnten fortgesetzt werden, sie machen u.a. deutlich, daß Kontinuität und Sicherheit in der Steuergesetzgebung sehr fraglich sind, daß zwischen den Vorstellungen von Steuerexperten zur Vereinfachung des Einkommensteuersystem bzw. zum "Einfachsteuersystem" des Heidelberger Steuerkreises und dem tatsächlichen Leben, Welten liegen. Diese Tatsache ist zur Kenntnis zu nehmen. Für das eigene Unternehmen ist zu analysieren, welche Folgen sich daraus ergeben und welche Maßnahmen erforderlich sind, damit das Bestehen am Markt gesichert werden kann.

Dabei in fixierten Bahnen zu denken oder sich auch nur am Gewohnten zu orientieren, was nicht absolut auszuschließen ist, kann existenzbedrohend sein. Es bedarf deshalb Überlegungen, was getan werden kann und muß zur Früherkennung von Risiken und deren Bewältigung. Dabei funktioniert das Denken, "wenn, dann" nicht mehr. Wir müssen lernen mit Unsicherheiten, Intransparenz zu leben, müssen lernen mit Komplexität, Vernetzungen, Dynamiken umzugehen. Problemorientiertes Denken hilft nicht, helfen kann nur ein lösungsorientiertes Denken. Das wiederum bedarf entsprechender Informationen und Partner, die helfen Lösungen zu finden und zu verwirklichen.

Kreditbenotung [nach oben]

Wer einen Kredite haben wollte, mußte schon immer seine wirtschaftlichen Verhältnisse offen legen.
Mitunter werden die Forderungen der Kreditgeber für übertrieben gehalten. Der § 18 des Kreditwesengesetzes (KWK) fordert die Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Kreditnehmers. Nach diesem Gesetz darf ein Kredit von mehr als 500.000 DM nur gewährt werden, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse offen gelegt werden. Im Regelfall fordert der Kreditgeber, die Erarbeitung der Unterlagen durch einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer. Teilweise werden diese auch in die Bankgespräche einbezogen. Nach den Basler Beschlüssen II, wonach die Kreditinstitute das Ausfallrisiko von Krediten stärker zu berücksichtigen haben, ist zu befürchten, daß das den Mittelstand ab 2004 erheblich belastet. Die Eigenmittelhinterlegung soll risikogerechter gestaltet werden, und zwar je nach Risikograd mit 1,6 bis 12 % Eigenkapital.

Vermutlich werden bis 2004 alle Unternehmen nach Bonität eingestuft. Die Verschärfung der Kreditbedingungen wird zur Folge haben, daß der Offenlegungspflicht nach § 18 ( KWK ) ein Ratingverfahren vorgeschaltet wird mit dem Ziel, die Bonität des Kreditnehmers besser zu "objektivieren" und danach die Kreditbedingungen festzulegen.

Der Unternehmer wird zukünftig qualifiziertere Informationen den Kreditinstituten zur Verfügung stellen müssen, um in eine niedrige Risikogruppe zu gelangen. Die Einordnung ist entscheidend, ob überhaupt ein Kredit vergeben, welches Kreditlimit gezogen und wie teuer der Kredit wird. Das alles muß nicht nachteilig sein. Internationale Kreditinstitute gehen davon aus, daß im Mittelstand ein großes Finanzierungspotential erschlossen werden kann und muß, entscheidend wird also sein, sich rechtzeitig auf das Kreditrating vorzubereiten. Dazu gehört nicht nur, daß das Rechnungswesen den modernen Anforderungen entspricht, sondern auch, daß in den Jahresabschlüssen die wirtschaftliche Lage korrekt, vollständig und richtig wiedergegeben ist und dies zum richtigen Zeitpunkt.

Notwendig ist weiter eine plausible Unternehmensplanung mit detaillierten Ausweichanalysen. Dazu bedarf es eines Riskofrüherkennungssystems, damit Merkmale, die die Fortführung des Unternehmens gefährden könnte, rechtzeitig erkannt werden. Ein Finanzplan sollte Auskunft geben über die Kapitaldienstfähigkeit und das Risiko einer drohenden Zahlungsunfähigkeit. Nicht unbeachtlich sind die Nachweise über die Qualität und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Auskunft zu geben ist über den Kundenstamm, Termintreue, Reklamationen usw. Die notwendigen Maßnahmen für ein Kreditrating sind hier nicht aufzählbar. Es bedarf der Mitwirkung eines Beraters, um solch ein System aufzubauen. Tatsache wird sein, daß Kreditnehmer ab 2004 eingestuft werden nach Bonität erstklassig, gut, befriedigend, ausreichend, mangelhaft und ungenügend. Daraus würde sich u.a. ableiten, ob ein Kredit gewährt wird, das Kreditlimit und der Preis für den Kredit.

Euro [nach oben]

Noch 180 Tage sind es bis zur Einführung des Euro-Bargeldes. Die Deutsche Bank 24 bietet ab 17.12.2001 eine Euro? Münzmischung an, die als Starter-Kit bezeichnet wird. Dieses Angebot ermöglicht, sich an die Münzen zu gewöhnen.

Ab August beginnt die Umstellung bei der Kreditkartenabrechnung, die Baufinanzierung kann jetzt schon in Euro und in DM abgeschlossen werden. Die Sparkonten werden sicher auch im Zeitraum September umgestellt werden. Sie sollten prüfen, wann die Versicherungen mit der Umstellung beginnen.

Die vor Einführung des Euro (am 1.1.1999) bestehenden Gesellschaften mit beschränkter Haftung unterliegen keinem Zwang, innerhalb eines bestimmten Zeitraums ihr Stammkapital und ihre Geschäftsanteile von DM auf Euro umzustellen. Das Euro?Einführungsgesetz (§ 88 GmbHGesetz) hat das so geregelt, daß für die GmbH grundsätzlich momentan kein Handlungsbedarf besteht. Dennoch gibt es Gesellschaften, die ihr Stammkapital und ihre Geschäftsanteile jetzt auf Euro umstellen wollen. Nach und nach werden sich die meisten GmbH mit der Frage beschäftigen. Sie dürfen die Umstellung nach dem Umrechnungskurs Euro/DM vornehmen, was allerdings zu "krummen" Euro?Beträgen führt. Deshalb besteht der Wunsch, neue glatte Beträge für Stammkapital und Geschäftsanteile zu bilden. Dies kann in der Regel durch eine geringfügige Kapitalerhöhung erfolgen.

Die Europäische Zentralbank hält an ihrem Hauptziel fest, nämlich Wahrung der Geldwertstabilität. Die Beschleunigung der Inflation, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Euroland, geht nicht auf geldpolitische Fehlentscheidungen zurück, sondern auf den drastischen Anstieg der Ölpreise sowie auf die Tierseuchen BSE und MKS, die zu einer erheblichen Verteuerung der Lebensmittel geführt haben. Einzelheiten der Euroumstellung sollten Gegenstand von Beratungsgesprächen sein.

Verdeckte Gewinnausschüttung[nach oben]

Die verdeckte Gewinnausschüttung ist ein unerschöpfliches Thema, das letztlich zu erheblichen Problemen für ein Unternehmen führen kann. Darum nachfolgende Auszüge aus einem Urteil des Bundesfinanzhofs, das im Juni 2001 veröffentlicht wurde.

Leitsatz:
Verzichtet der alleinige Gesellschafter einer GmbH wegen verschlechterter Gewinnsituation der Gesellschaft auf das vereinbarte Geschäftsführergehalt, jedoch nicht auf die ihm zugesagte Gewinntantieme, so führt die "stehengelassene" Tantieme jedenfalls dann zur Annahme einer vGA, wenn sie weder zeitlich noch betragsmäßig begrenzt wird.
KStG 5 8 Abs. 3 Satz 2

Urteil vom 27. März 2001 = R 27/99

Nach der ständigen Rechtssprechung des Senats ist eine vGA des § 8 Abs.3 Satz 2KStG bei einer Kapitalgesellschaft eine Vermögensminderung (verhinderte Vermögensmehrung), die durch das Gesellschaftsverhältnis veranlaßt ist, sich auf die Höhe des Einkommens auswirkt und in keinem Zusammenhang mit einer offenen Ausschüttung steht. Für den größten Teil der entschiedenen Fälle hat der Senat die Veranlassung einer Vermögensminderung durch das Gesellschaftsverhältnis angenommen, wenn die Kapitalgesellschaft ihrem Gesellschafter einen Vermögensvorteil zuwendet, den sie bei der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters einem Nichtgesellschafter nicht gewährt. Das kann aber auch der Fall sein, wenn eine Kapitalgesellschaft mit ihrem Gesellschafter eine an sich für sie günstige Vereinbarung trifft, ein gedachter Fremder aber einer solchen Vereinbarung nicht zugestimmt hätte. Ist der begünstigte Gesellschafter?Geschäftsführer ein sog. beherrschender, kann die Vermögensminderung auch dann ihre Ursache im Gesellschaftsverhältnis haben, wenn der Leistung
an den Gesellschafter oder eine diesem nahestehende Person keine klare und von vornherein abgeschlossene Vereinbarung zugrundeliegt. Nach diesen Grundsätzen kann auch eine Gewinntantieme, die die Kapitalgesellschaft ihrem Gesellschafter?Geschäftsführer zu zahlen verspricht, vGA i.S. des § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG sein, wenn sie dem Grunde und/oder der Höhe nach nicht dem entspricht, was ein ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsleiter der Kapitalgesellschaft deren Geschäftsführer als Tätigkeitsentgelt zusagen würde. Daneben kommt die Annahme einer vGA i.S. des § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG dann in Betracht, wenn die Tantiemezahlungen im Einzelfall bei Würdigung aller Umstände die wirtschaftliche Funktion einer Gewinnausschüttung haben. Der Senat hat dies gerade auch für den Fall angenommen, daß eine GmbH mit ihrem beherrschenden Gesellschafter- Geschäftsführer als Entgelt für die Geschäftsführertätigkeit ausschließlich eine Gewinntantieme
vereinbart.

Urteil ist im Volltext unter www.bundesfinanzhof.de abrufbar.


Private Altersvorsorge [nach oben]

In der Juni- Ausgabe haben wir uns zu diesem Thema schon geäußert. Sie können den Beitrag unter dem Button - Archiv- nachlesen.

Mit der beschlossenen Rentenreform und dem im Bundesgesetzblatt Teil I Nr.31 vom 29.06.2001 veröffentlichten Altersvermögensgesetz (AvmG), können in den Jahren 2002 und 2003 Altersvorsorgeaufwendungen (Eigenbeträge plus Zulage) bis zu 525 Euro (entspricht 1.026 DM) als Sonderausgaben entsprechend §10 a Abs. 2 EstG i.d.F des AVmG, geltend gemacht werden.

Im Altersvermögensgesetz enthalten sind die Regelungen der Zertifizierung sowie die Änderungen des Einkommensteuergetzes.
Der folgende Beitrag nennt einige steuerliche Gesichtspunkte aus dem Altersvermögensgesetz. Im August wird es Ausführungen zur betrieblichen Altersversorgung geben.

Das Gesamtkonzept der neuen steuerlichen Förderung von Aufwendungen zur privaten zusätzlichen Altersversorgung besteht aus einer Kombination von einem zusätzlichen Sonderausgabenabzugsbetrag, der im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung berücksichtigt wird und einer progessionsunabhängigen Altersvorsorgezulage, wovon im Einzelfall immer die für den berechtigten günstigere Regelung zum Zuge kommt. Dies wird vom Finanzamt von Amts wegen geprüft.

Der oben bezeichnete Betrag wird schrittweise erhöht. Bis zum Veranlagungsjahr 2008 erfolgt die Erhöhung auf bis zu 2.100 Euro (entspricht 4.107 DM). Dieser Betrag kann zum Sonderausgabenabzug zugelassen werden. Ist die Steuerersparnis höher als die Zulage, wird die Differenz dem Steuerpflichtigen gutgeschrieben. Die gezahlte Zulage verbleibt auf dem Anlagekonto.
Dem betroffenen Bürger bleibt es überlassen, ob und wieviel er innerhalb der förderungsfähigen Grenzen für die Altersvorsorge anlegen will. Die maximale Förderung erhält er aber nur, wenn die Altersvorsorgeaufwendungen einen bestimmten Mindest-eigenbetrag ausmachen. Dieser beträgt in den Jahren 2002 und 2003 1 v.H., ab 2003 3 v.H. und ab 2008 schließlich 4 v.H. seines sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens (§ 86 EStGi.d.F des AVmG).

Folgende Höchstzulagen (gerundet) sind vorgesehen:

 
Fälligkeit
Kinderzulage
Zeitpunkt Alleinstehende Ehepaare, bei denen jeder eine eigene Altersvorsorge aufbaut Je Kind
Ab 2002 75 DM 150 DM 90 DM
Ab 2004 150 DM 300 DM 150 DM
Ab 2006 225 DM 450 DM 270 DM
Ab 2008 300 DM 600 DM 360 DM


Die Zahlung wird nach Ablauf des Beitragsjahres (§ 88 EStG i.d. F des AVmG ) beim Anbieter beantragt. Die Antragsfrist ist nach § 89 Abs. 1 EStG i.d.F. des AVmG 2Jahre. Nach § 81 EStG i.d.F.des AvmG ermittelt die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte den Zahlungsbetrag und zahlt diesen an den Anbieter zu Gunsten des Altersversorgungsvertrages aus( § 90 EStG i.d.F. des AVmG). Ab 2002 kann der Anbieter die Zulage selbst ausrechnen.

Die in der Rentenreform vorgesehene staatliche Förderung von privaten und betrieblichen Altersvorsorgeverträgen ist davon abhängig, daß diese Verträge bestimmte Förderkriterien erfüllen, die im so genannten Altersvorsorgeverträge-Gesetz geregelt sind. Nach diesem Gesetz wird das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen Altersvorsorgeprodukte daraufhin überprüfen, ob sie den vorgeschriebenen Förderkriterien entsprechen. Die Zertifizierung kapitaldeckender Alterversorgungsverträge ist Grundlagenbescheid für die Förderung nach § 82 Abs.1 Satz 2 EStG i.d.F. des AvmG.
Das Zertifikat ist keine Garantieurkunde über die Qualität oder Rentabilität der Produkte, sondern sagt nur etwas über ihre Förderbarkeit aus. Verspricht die Versicherung, die Sparbeträge mit 7 % zu verzinsen, dann prüft die Zertifizierungsstelle nicht, ob das tatsächlich gesichert ist, obwohl bekannt sein dürfte, daß im Regelfall nur 3,25 % gedeckt sind


Der Versicherte hat somit keinen Anspruch an die Zertifizierungsstelle, wenn die Überschußbeteiligung, wie sie vom Leistungsträger versprochen wurde, nicht eingehalten wird.

Kriterien für Förderbarkeit sind zum Beispiel, daß ...

· die Anlagen bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres oder bis zum Beginn einer gesetzlichen Altersrente gebunden sind und nicht beliehen oder anderweitig verwendet werden können,
· die Verträge ab Auszahlungsbeginn eine lebenslange steigende oder gleichbleibende monatliche Leibrente zusichern und
· zu Beginn der Auszahlungsphase mindestens die eingezahlten Beträge und während der Auszahlungsphase die laufenden monatlichen Zahlungen zusagen zu den förderfähigen Anlagen gehören,
· verschiedene Formen der betrieblichen Altersversorgung,
· Rentenversicherungen sowie
· Fonds- und Banksparpläne, wenn sie mit Auszahlungsplänen und einer Restverrentungspflicht für die oberste Altersphase verbunden sind.

Auch Altverträge können in die Förderung einbezogen werden, wenn sie die Voraussetzungen für die geförderten Anlagen erfüllen. Darüber hinaus kann ab 2002 der Bau und Erwerb selbstgenutzten Wohneigentums unter bestimmten Bedingungen gefördert werden (sogenanntes Entnahmemodell).

Wer privat für das Alter spart, darf zukünftig unter bestimmten Bedingungen mit dem angesparten Geld auch die Finanzierung selbstgenutzten Wohnraums unterstützen. Hierbei wurde das so genannte Zwischenentnahmemodell gewählt: Wer zum Zwecke der privaten Altersvorsorge Beträge auf ein Vorsorgekonto einzahlt, erhält dafür staatliche Zulagen und Steuervorteile ( § 92 a Abs.1 Satz 1 EStG i.d.F. des AVmG ) Möchte er Wohneigentum erwerben und diesen Wohnraum selbst nutzen, so darf er zinsfrei 20.000 DM bis 100.000 DM von dem auf dem Vorsorgekonto ersparten Geld abheben. Die Rückzahlung muß beginnen mit dem zweiten auf das der Verwendung folgenden Jahres. Die Höhe der Raten richtet sich nach der Höhe des entnommenen Betrages. Spätestens bis zum 65. Lebensjahr muß das Geld wieder auf das Vorsorgekonto zurückgeflossen sein.

Aus Vereinfachungsgründen hat der Gesetzgeber von einer Absicherung abgesehen. Zu beachten ist, daß zum Beispiel bei Vermögensverfall des Geförderten, daß in das Wohnungseigentum investierte Altersversorgungskapital, einschließlich der Förderung für die Altersversorgung verlorengeht.

Wird das eigene Heim verkauft, muß entweder neues Wohneigentum erworben oder mit dem Verkaufserlös das Vorsorgekonto wieder aufgefüllt werden. Sollte dies nicht geschehen, ist die Förderung zurückzuzahlen. Zusätzlich werden dann Steuern auf die noch offene Darlehenssumme fällig. Verstirbt der Anleger, bevor ein entnommener Altervorsorge-Eigenheimbetrag zurückgezahlt worden ist, sind grundsätzlich die gewährten Förderungen (Zulage und Steuervorteile) zurückzuzahlen. Eine Ausnahme besteht nur, wenn der Ehegatte des Verstorbenen, nicht die Kinder, diese weiterhin zu Wohnzwecken nutzen und die Ehegatten zum Zeitpunkt des Todes des Anlegers die Voraussetzungen für eine Zusammenveranlagung erfüllen.
In diesem Fall tritt der überlebende Ehegatte hinsichtlich der Rückzahlungspflichten in die Rechtsstellung des verstorbenen Ehegatten ein. Er muß dann für die weitere Rückzahlung einen eigenen Altersversorgungsvertrag bestimmen.


Im Juni haben wir darauf verwiesen, daß schon Produkte angepriesen werden, wofür augenscheinlich die Voraussetzungen, z.B. das Zertifikat fehlten. Die Financial Times Deutschland veröffentlichte am Donnerstag den 21.06.2001 eine Mitteilung, daß das Landgericht Düsseldorf unter dem Aktenzeichen Az.: 12 0259/01 einer Versicherung verboten habe, für Produkte zur privaten Altersversorgung zu werben bei denen der Eindruck entsteht, es wären förderfähige Produkte.

Solche Angebote mit staatlichen Zertifikat würden erst zu Beginn des kommenden Jahres vorliegen.

Die Verbraucherschützer kündigen an, gegen eine weitere Versicherung zu klagen.

· Bevor neue Verträge abgeschlossen werden, sollten alte daraufhin überprüft werden, ob sie förderfähig sind und welche Ertragskraft sie im Verhältnis zu neuen Anlageprodukten besitzen.
· Die Zertifikate des Bundesaufsichtsamts für das Versicherungswesen sollten mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden. Sie sind keine staatlichen "Gütesiegel", die etwas über die Qualität und Rentabilität der geprüften Anlageprodukte aussagen. Sie bedeuten lediglich, daß die geprüften Produkte die Mindestbedingungen erfüllen, um staatlich gefördert zu werden.
· Auch Geldanlagen, die nicht staatlich gefördert werden, können sich durchaus lohnen. Sie sind vielfach flexibler, z.B. was die Möglichkeit angeht, vorzeitig auf die Beträge zurückzugreifen.

Viele Fragen sind trotz der Verabschiedung der Rentenreform nicht geklärt. Deshalb sollte man nichts übereilen und in Ruhe unabhängigen fachkundigen Rat einholen und dies nicht nur wegen der ungeklärten Fragen, sondern auch deshalb, weil bei Inanspruchnahme der stattlichen Förderung in der Rentenphase die Auszahlung des geförderten Alterskapitals im vollen Umfang versteuert wird ( § 22 Nr. 5 EStG i.d.F.des AVmG).

Es ist deshalb vorher zu prüfen, was steuerlich die günstigste Form der Alterssicherung ist.


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